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  Das Haus


Den Mittelpunkt des alten Pfarrhauses Mooshausen bildeten von jeher Gastlichkeit, Freundschaft, thematisch weiträumige Gespräche, einfühlsames Interesse an den Mitmenschen. Dieser einzigartigen Kultur des Privaten. verliehen Josef Weiger und Romano Guardini, Maria Knoepfler und Maria Elisabeth Stapp eine gültige Form, in der sich Besucher und Gäste heimisch fühlten und zu Freunden wurden.


 
Das spätbarocke Pfarrhaus
in Mooshausen
   
  Seit 1997 werden in Vorträgen, Kolloquien und Tagungen Themen aufgegriffen, die sich aus der Mooshauser Tradition ergeben. Als eine Zelle modernen Christentums im Sinne der Menschen, die hier wirkten, soll die Tradition des Gespräches, der Kunst und des Gebetes im Pfarrhaus von Mooshausen wiederaufleben.
 
Die Bewohner
   
  Das schwäbische Pfarrhaus, überragt von einer mehrhundertjährigen Linde, war seit 1917 zum Mittelpunkt eines weitverzweigten Freundeskreises um Pfarrer Josef Weiger geworden. Eine Vielzahl von Freunden und Ratsuchenden fand bis zum Tod von Josef Weiger 1966 den Weg in das kleine Dorf um die alte Wallfahrtskirche St. Johann Baptist.
     
  An erster Stelle ist Romano Guardini zu nennen. Der Freund aus Tübinger Studienjahren suchte über Jahrzehnte Gespräch und Austausch und nicht zuletzt Gastlichkeit im Mooshausener Pfarrhaus. In den Jahren 1943-1945 nahm er dort dauernde Zuflucht vor dem Bombardement Berlins. Von hier aus wurde er 1945 an die Universität Tübingen berufen, wo er bis 1948 lehrte. Der rege geistige Austausch in dieser seltenen Freundschaft ist zu erahnen in Guardinis postum erschienenen „Briefen an einen Freund“; ein Briefwechsel 1908-1966 wartet auf Erschließung.
     
  Maria Knoepfler Übersetzerin John Henry Newmans, führte bis zu ihrem Tod 1927 den Mooshausener Pfarrhaushalt. Joseph Bernhart, Manfred Hörhammer, Ernst Michel, Ida Friederike Görres, Fridolin Stier, Eugen Jochum, Wilhelm Geyer und Gerta Krabbel zählten zu den Gästen oder Brieffreunden Weigers. In langen Jahrzehnten wurde in der kleinen Zelle des schwäbischen Pfarrhauses das Konzil mit vorbedacht und vorgelebt. In der schweren Zeit des Nationalsozialismus wurde Mooshausen zu einem verschwiegenen Zentrum geistigen Widerstehens.
     
  Maria Elisabeth Stapp, Bildhauerin aus München, schloß sich Ende der dreißiger Jahre dem Freundeskreis an. Sie schuf durch den geistigen Austausch inspirierte Kunstwerke in Holz, Ton, Stein und Bronze u. a. für zahlreiche Kirchen der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Anfang der sechziger Jahre verlegte sie ihr Atelier von Ravensburg nach Mooshausen und arbeitete dort bis 1988. Ihr Impuls gab den Anstoß zur Gründung der Gedenk- und Arbeitsstätte in Mooshausen, die sich heute im 1993 gegründeten „Freundeskreis Mooshausen e.V. verwwirklicht.


Der Kreis der Freunde

Im Wintersemester 1906/07 lernten sich Josef Weiger und Romano Guardini in Tübingen kennen und begründeten eine lebenslange Freundschaft, in der sie sich bestärkten und ergänzten, die sie um neue Inhalte erweiterten und in die sie auch andere einbezogen. So entstand ein Freundeskreis aus vielfältigen Beziehungen, u.a. mit wegweisenden Persönlichkeiten aus dem Benediktinerkloster Beuron. Nachdem Josef Weiger 1917 Pfarrer in Mooshausen geworden war, wurde das spätbarocke Pfarrhaus zum Treffpunkt des Freundeskreises. Nicht nur Guardini war regelmäßig im Jahr zweimal dort zu Gedankenaustausch und Erholung, berührt vom Frieden und der Geistigkeit des Hauses und der Lieblichkeit der Landschaft. Bedeutende Vordenker und Wissenschaftler, darunter Joseph Bernhart und P. Manfred Hörhammer, sowie viele Ratsuchende und am Leben Verzweifelnde kamen in das Haus. Guardini sandte aber auch nicht selten von Berlin aus jene, die ihn um Rat angingen oder konvertieren wollten, zu seinem Freund, „dem ich persönlich ganz vertraue und der geistig wie menschlich ganz offen und reich ist...“
Vom Sommer 1943 bis Herbst 1945 lebte Guardini ganz im Mooshauser Pfarrhaus, nachdem er seinen Berliner Lehrstuhl verloren hatte und die ständigen Luftangriffe lebensbedrohlich geworden waren. Seit dem Frühjahr 1944 trafen sich die Freunde wöchentlich auch im benachbarten Pfarrhaus von Treherz zu Gesprächs- und Leseabenden mit dem zwangspensionierten Pädagogen Hermann Binder, der mit seiner Frau auf dem Gutshof des Fürsten Zeil Zuflucht gefunden hatte. Binder stand in Kontakt mit den Männern des 20.Juli und sorgte nach Kriegsende dafür, daß Guardini eine Professur in Tübingen erhielt. Auch bedeutende Frauen gehörten zum Kreis der Freunde, so bis zu ihrem frühen Tod 1927 die Newman-Übersetzerin Maria Knoepfler und nach Kriegsende die Bildhauerin Maria Elisabeth Stapp, die in Mooshausen ihr Atelier einrichtete und Werke von großer Ausstrahlungskraft schuf.
Aus jahrzehntelangen Begegnungen und Gesprächen, aus Geben und Nehmen entstand der Geist des Aufbruchs, der Geist des „katholischen Frühlings“, der die großen Themen des Zweiten Vaticanums mit vorbedachte.
Aus diesem Aufbruch können auch wir noch Inspiration und Kraft für die Aufgaben von Kirche und Welt in Gegenwart und Zukunft schöpfen.
Nach Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz: Einer Freundschaft Blühen
In: Begegnungen in Mooshausen


Der Freundeskreis Mooshausen e.V.


Auf den Impuls der Bildhauerin Maria Elisabeth Stapp hin, bildete sich ein neuer Freundeskreis, der den Entschluss fasste, einen Verein zum Erhalt und zur Pflege des reichen geistigen und künstlerischen Erbes des Mooshauser Pfarrhauses zu gründen. Am 17. April 1993 fand in München die Gründungsversammlung statt. Zu den Gründungsmitgliedern gehört u.a. Weihbischof Dr. Ernst Tewes †.
   
Erste Vorsitzende Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz,
Lehrstuhl für vergleichende Religionswissenschaft an der Technischen Universität Dresden.
   

Zweiter Vorsitzender Prof. Dr. Hans Maier, Staatsminister a.D.,
bis1999 Inhaber des Guardini-Lehrstuhls an der Maximilians-Universität München.

   
Geschäftsführerin ist Elisabeth Prégardier.
   
   
Auszug aus der Satzung

§ 2 Zweck des Vereins
Hauptzweck des Vereins ist die Förderung und Pflege des künstlerischen und geistigen Erbes von Maria Elisabeth Stapp, Maria Knoepfler, Josef Weiger und Romano Guardini.
Der Verein führt alle ihm zur Erreichung des Vereinszwecks geeignet erscheinenden Maßnahmen durch.
(1) Der Verein richtet im Obergeschoß des ehemaligen Pfarrhauses von Mooshausen eine Ausstellungs-, Begegnungs- und Arbeitsstätte ein. Der dazu benötigte Teil des Hauses wird durch den Verein angemietet.
(2) Der Verein fördert und betreibt die wissenschaftliche Aufarbeitung von Leben und Werk der Genannten und ihres historischen Freundeskreises.
Zu diesem Zweck stellt der Verein einen Studienplatz für einen Stipendiaten entweder der Theologie, Psychologie, Philosophie oder Bildenden Kunst bereit.
Eine zur wissenschaftlichen Arbeit geeignete Bibliothek (Freihandaufstellung und Archiv) wird aufgebaut.
(3) Der Verein macht das künstlerische Werk von Maria Elisabeth Stapp der Öffentlichkeit zugänglich und richtet zu diesem Zweck im Pfarrhaus eine angemessene Ausstellungsfläche ein, wo ihre Kunstwerke als Leihgaben ausgestellt werden. Die Bedingungen der Leihgabe werden zwischen Verein und Leihgeber vertraglich geregelt.
(4) Der Verein befaßt sich mit Planung und Durchführung von Tagungen, Seminaren, Kolloquien u.a..
Der Verein verpflichtet sich der Tradition des Pfarrhauses von Mooshausen, indem er besonders das seelsorgerliche Gespräch zwischen Einzelnen und den geistigen und weltanschaulichen Austausch in kleinen Gruppen fördert.
(5) Die Zusammenarbeit mit Vereinigungen, Gesellschaften und Körperschaften, die verwandten Zwecken dienen, soll gepflegt werden.
(6) Der Verein gibt in lockerer Folge Schriften heraus (Mooshausener Schriften). Damit schafft er sich ein Forum zur Veröffentlichung von Arbeitsergebnissen und möglichen Neueditionen. Ein Rundschreiben informiert die Mitglieder über die laufende Arbeit.
(7) Der Verein gründet in der jüdisch-christlichen Tradition; auf dieser Grundlage steht er allen Weltanschauungen und Konfessionen offen. Der Verein steht erneuernden Bewegungen innerhalb der katholischen Kirche nahe (z.B. Initiativen zur Erneuerung christlicher Gebetstradition, oekumenische Bewegung u.a.).

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www.mooshausen.de